Samstag, 8. November 2008

01.11.2008 whitey @ mandarin kasino, hamburg


DO YOU WANNA PARTY WITH MR. WHITEY?

Darf man eigentlich über die Bands/Musikrichtungen berichten, von denen man ziemlich wenig Ahnung hat? Na ja, ein Paar Tracks habe ich schon gehört, aber die Hintergründe und Sonstiges fehlen irgendwie. Die Antwort ist eindeutig: JA! Hauptsache man hat was zu erzählen (oder auch nicht). Dafür gibt es ja schließlich Blogs und das Internet ist ja noch geduldiger als das Papier. Also, los geht’s mit dem bis dato kürzesten und quasi ahnungslosesten Konzertbericht der NoPartyAnimals.

Das Konzert war ok!

Danke, dass Sie reingeschaut und auf den Link „weiter lesen“ geklickt haben!


Ok, ok, ein Paar Worte mehr gibt es dann doch. Samstag. Mandarin Kasino. Ein One-Hit-Wonder DJ (für mich jedenfalls) aus der Jeans-Werbung, noch irgendein super angesagter Turntablerocker und schließlich ein Typ, wegen dem sich das Ganze angeblich lohnen soll.


Auf Zureden eines Freundes aus dem gemütlichen Vorsaufen rausgerissen und rein ins Vergnügen. Leider (oder auch zum Glück) spielt der Objekt der Begierde mit seinen Buddies als erster. Es ist gerade mal Mitternacht und der Laden nur halbvoll, aber die Electro-Punks, die eher wie Hippies aussehen, sind mehr als prächtig drauf.


Es folgen unterhaltsame Minuten des leicht abgespaceten Elektrorocks, wobei Whitey uns noch viele kleine Tanzeinlagen beschert, sich auf der Bühne wälzt und großzügig Vodka aus der Flasche an die vorderen Reihen verteilt. Danke! Die Chance nutzten wir natürlich und haben auch versucht uns später zu revanchieren (lese weiter unten).


Die Visuals sind niiiice, die Mucke durchaus tanzbar und gut genug um nicht in die angesagte 08/15 New-Rave Schublade zu passen. Was will man mehr als Anhänger der gitarrenlastigen Musik? Eben, Tanzmusik gemacht von den Leuten die wie eine Rockband aussehen und auch so drauf sind und eher in einem dunklen Keller als auf der schicken Klubbühne zu Hause sind.


Ach ja, die andren DJ's gab’s ja auch noch. Haben auch gerockt und auch nicht schlecht eigentlich. Aber zu heiß, zu voll und sonst irgendwie verschwommen-austauschbar.


Zum Schluss scheitert ein Freund von mir beim Versuch Whitey nach dem Konzert einen White Russian auszugeben. Whitey hält nichts von Schlangen an der Bartheke und verschwindet einfach irgendwo in der Menge. Vielleicht ist er ja wirklich ein Misanthrop der die meiste Zeit sich in den dunklen Ecken der Klubs versteckt und Partydrogen nimmt, noch mal seine Elektro-Indie-Rock Performance würde ich dennoch gerne sehen.

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Dienstag, 4. November 2008

31.10.2008 hanson brothers @ fabrik, hamburg


IT’S MY GAME OF PUCK ROCK!

Also wer jetzt nach „MMMBop“ fragt oder sonst irgendwie diese Band in Verbindung mit den 90er Jahre One-Hit-Wondern bringt, hat einen Puck zwischen die Zähne verdient. Da verstehen wir keinen Spaß mehr. Sehr wohl aber die Band die an diesem Abend in der Fabrik ihre ganz eigene Welt des Eishockey-Punk-Rocks zelebriert. Außerdem ist es ja auch noch das Halloween. Der Hansons Bassist ist also mit der Jason Voorhees Torwartmaske passender denn je ausgestattet. Auch die ganze unermüdliche Bande der NoMeansNo-Opas ist auf Spaß aus. Nur außergewöhnlich unterhaltsam war das am Ende dann irgendwie doch nicht.

Genauso wie eine Woche davor ist die Fabrik mit dem Publikum jenseits der 30 ziemlich gut gefüllt, mit dem Unterschied nur, dass heute keine Salsaeinlagen wie bei Calexico, sondern eher Bierduschen, wie es eben der Punk verlangt, erwartet werden.

Bei der ersten Band wäre das sogar zum Teil angebracht gewesen, nicht aus der kollektiven Euphorie, sondern um den Sänger von der Bühne zu vertreiben. „Hartmut Engler des Punk am Gesang“ war dazu in einem Internetforum zu lesen. Passt zwar wie die Faust aufs Auge (in diesem Falle lassen wir extra viel Raum für die passende Interpretation der Redewendung; trifft zu: ja oder nein) tut der Band aber ein wenig Unrecht. Punk mit deutschen Texten und null Innovation ist eben Geschmackssache. Also Zeitsprung zum Headliner, zumal man von der Vorband nicht mal den Namen gemerkt hat, Hilfe in dieser Sache also willkommen.


Gebrüder Hanson (zur Geschichte des Namens bitte den Film „Slap Shot“ mit kürzlich verstorbenen Paul Newman als Anschauungsmaterial nutzen) bringen gefühlte 200 Jahre und 4 Kilo graue Haare auf die Bühne. Aber schon die ersten One-Two-Three-Four-Hits und wenig später folgende „My Game“ lassen das alles beim fröhlichem Slam-Dancen vergessen.


“No fancy schmancy pants / And no dispy doodle dancing / It's hockey a la Hanson” damit jeder von den “Hockey Fans” auch sofort weiß was Sache ist. Und direkt noch einen drauf mit Songs über Frauen die nichts mit dem Spiel auf der rutschigen Eisfläche anfangen können („Danielle“) und die Verpflegung für unterwegs („Road Pizza“). Klassische Punk-Rock-Comedy also.


Der Boden vor der Bühne ist klebrig vom verschütteten Bier, man lässt sich wie ein Drittklässler rumschubsen und die Damen in Ramones T-Shirts (oder sind da doch die Hanson-Logos drauf?) haben anscheinend auch ihren Spaß. Irgendwie ist dann das Ganze auch viel zu schnell vorbei. Die 10-minutigen Post-Rock Epen fehlen in jedem der Konzertdrittel. Auch in der Verlängerung, die Tommy Hanson in einem St. Pauli Trikot absolviert, vermisst man die Hommagen an die "Godfathers Of Punk": „Blitzkrieg Hops“ und „Joey Had To Go“ fehlen leider. In den letzten Minuten kommt auch bedauerlicherweise keiner auf die Strafbank und Tommy selbst kaum zu Wort. Mehr „Shut Up, Tommy“ oder „We have to put the cabbage in a bag” hätten der Show nur gut getan.


Und das ist Schade, denn wie man weiß nur Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Also hätte man live das tolle „Tommy Speaks“ von der „It’s A Living“ Platte ungefähr so weiterspinnen können: „Tommy, have you been cashing in on all this hockey-mania in Canada right now?” Und stattdessen (man denkt an die Eintrittspreise von knapp 18 Euro): „Have the Hanson Brothers been cashing in on the death of the Ramones lately?“. Denn für die meisten anwesenden Fans ist der Eishockey letztlich ziemlich egal, die 2-minütigen Ramones-lastigen-Punk-Rock-Haiku aber kicken wie eh und je.


Die Kanadier sind aber einfach da um ihre eigene Version des Punk Rock zu spielen. Puck Rock eben. Nur ins Russische übersetzten werden wir das Wort Puck lieber nicht. Damit wollen wir die „grey-haired old farts“ auf der Bühne nicht unnötig brüskieren. Schließlich haben die ein ordentliches Spiel abgeliefert. Der Vergleich mit der Vorband wäre dann NHL vs. DEL = viel zu Null!

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Sonntag, 26. Oktober 2008

23.10.2008 calexico + bodies of water @ fabrik, hamburg


BUENAS TARDES AMIGO!

Alleine auf Konzerte zu gehen hat auf alle Falle irgendwas Positives und Reinigendes. Vor dem Konzert Drinks zu sich nehmen um in Stimmung zu kommen fällt aus, man ist ja schließlich kein Alki um alleine vorzuglühen. Während der Live-Darbietung muss man sich auch keine Gedanken machen ob denn das was gerade stattfindet den nach viel Überzeugungsarbeit mitgeschleppten Freuden auch gefällt. Und schließlich sind dann alle Daheimgebliebenen die Loser, die was cooles verpasst haben. Man ist alleine mit vielen Fremden und der Musik die einem einfach gefällt. Also wo waren wir noch mal? Ach ja, das Calexico Konzert. Und wenn schon so großtönend geredet wird, war das wirklich so ein einmaliges Erlebnis? Ach nö, aber schön war es trotzdem.

Am Anfang macht mich die Anzahl der Grauköpfe in der ausverkauften Fabrik nachdenklich. Bin ich im falschen Film wo alle auf dem Konzert nur bequem in den Ecken sitzen und Prosecco schlürfen? Calexico wirklich Altherrenrock wie ein Freund die mal abgestempelt hat? No way, also in die erste Reihe und abwarten.

Bodies Of Water spielen zu erst. Die Sängerin ist barfüßig und trägt ein Ganzkörperbody sowie eine Mireille-Mathieu-für-Anfänger-Frisur. Dabei grinst sie dauernd und freut sich über jeden Applaus und Zeichen der Aufmerksamkeit. Wie ein 8-jähriges Mädchen dass einen Shetlandpony im Streichelzoo reiten darf. Naiv und sympathisch ist das, wie auch die ganze Band die ihre hippiesken Folk-Rock Lieder zum Besten gibt. Teilweise sehr stoisch, mehrstimmig und fast schon so kämpferisch wie die sozialistisch angehauchten Kampflieder der Arbeiterklasse. Applaus ist sogar mehr als nur höflich was die Frau um so mehr zum Grinsen bringt.

Der Kopf sagt: „Sind doch irgendwie herrlich altmodisch, aber nicht muffig und ziemlich eigenständig“. Live zieht es trotzdem nicht, was wohl am nicht ganz optimalen Sound liegen dürfte (am Anfang ist der Bass gar nicht zu ertragen) und der viel zu hohen Anzahl von Ahs-and-ohs-per-second und das auch mit einer ziemlich hohen fast quieksigen Stimme der besagten Dame. Auf der Platte aber ganz gut. Tipp und ein heimlicher Hit: „Under The Pines“. Bitte reinhören.


Vor dem Headliner ist die Vorfreude bei vielen sehr groß: zu groß sogar wenn man die Dame in der ersten Reihe so laut kreischen hört, dass man zwangsläufig an Tokio Hotel Fans denken muss. Auf der Bühne scheint alles ganz schön professionell abzulaufen: ein halbes Dutzend Musiker, dreimal so viele Instrumente, Roadies, Wasser in den Plastikfläschchen, Handtücher und bereits ausgedruckte Tracklisten.


Dann geht’s auch schon los mit dem ganz coolen Joey und einem freundlich das Publikum anlächelnden John am Schlagzeug. Der warme perfekt abgemischte Sound umhüllt einen bereits bei den ersten Tönen von „Spokes“. Die Visuals passen auch optimal zum rustikalen Ambiente der Fabrik und lassen die Bühne in einem ganz neuen Licht erstrahlen.


Selten diese Location so schön und bezaubernd erlebt, genauso selten einen Schlagzeuger der so gefühlvoll mit seinem Instrument umgeht und dennoch das Maximum an Präzision und Sound rausholt. Ein wahre Freunde ist das und auch die Tracks klingen live kräftiger, rauer einfach mehr auf den Punkt gebracht als sonst auf der Platte.


„Roka“ mit pumpenden Kontrabass, „Not Even Stevie Nicks“ mir einer elektrischen statt akustischen Gitarre und „ House Of Valparaiso“ mit der wunderbaren Trompetenmelodie, alles große Klasse.


Überhaupt erst jetzt wird klar dass diese Band auf der Bühne ganz andere neue Facetten ihrer Musik zeigt, ihren Klangspektrum erweitert und einfach nur super klingt. Ich frag mich schon wie geil das ganze mit einem echten Mariachi-Orchester ausgesehen hat als sie damit getourt haben. World Music par excellence und ohne faden Beigeschmack des pseudo-hippiesken Weltverstehens-und-Liebhabens.


Und auch der Anfangsverdacht der abgeklärten Bühnenroutine wird von John zerstört als er auf sein Gitarrenkabel tritt und es herausreißt, später noch sein Instrument lange stimmen muss und ab und zu kleine Probleme mit dem Bodeneffektpedal, hat.


Zum Schluss noch ein paar Tropfen Wermut im Freudenbecher gefällig? Kein Problem: „Two Silver Trees“ klingt für meinen Geschmack zu sehr nach Schmalz-80ern, bei „Inspiracion“ verwechseln die Damen vor der Bühne das Konzert mit einem umsonst Salsa-Kurs für Anfänger und irgendwelche besoffenen Spackos wieder ganz vorne lachen und labern viel zu laut, so dass man sich fragt was sie hier überhaupt verloren haben.

Alles Nebensachen, denn nach psychedelischem Gute-Nacht-Abgang „Red Blooms“ kann man im Grunde genommen nur eins sagen: „Muchas Gracias Amigos!“



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Dienstag, 14. Oktober 2008

12.10.2008 the pharmacy + adrian orange & her band @ astra stube, hamburg


WE ARE ALL ON DRUGS

Am Anfang bin ich ein wenig verwirrt, obwohl die gemütlichen Sonntagskonzerte in der Astra Stube langsam zu einer netten Tradition geworden sind, muss man doch wenigstens wissen wer überhaupt heute die kleine unscheinbare Bühne betreten wird. Pharmacology? Thanksgiving? Agent Orange? Her? Band? Well, egal, whatever, erst mal ein obligatorisches Astra und abwarten; die Freunde meinten ja es wird zwar qualitativ Lo-Fi, künstlerisch aber definitiv High Five.

Also, The Pharmacy first: schon mit den Instrumenten bewaffnet und bereit los zu legen. Der englischsprachige Typ hinter mir trägt ein Holzfällerhemd und erinnert mich selbstverständlich an Grunge. Prompt sagt der komische Kauz auf der Bühne, ausgestattet mit der kaputten Fender inklusive Ramones-Aufkleber dass sie aus Seattle kommen. Hey, da kann ja anscheinend doch nichts Schlechtes kommen und bevor ich die vertrauten Big Muff Klänge höre finde ich die Band auf Anhieb sympathisch.


Eine vintage Collegerock-party die in der Garage stattfindet, mit vielen Keyboards und Singalongs anstelle von den normalerweise zur Standardausstattung gehörenden Bass. Mit warmen Pop-Appeal dass zum tanzen und rhythmischen Zucken animiert bringt die Band eine gewisse Portion Fisherman's Friend Frische (FFF) in die Stube. Da kann man auch darüber hinweg sehen dass die Songs ab und zu ein wenig ähnlich klingen und die Typen ganz seltsame Tattoos haben.


Punktsieg für den Booker: schöne Partyatmosphäre mit einer Prise 90-er Nostalgie, was wohl an der Herkunft und Gitarrensound der Band liegen dürfte. Und dass an einem Sonntagabend. Schafft nicht jeder, aber der Hauptakt soll ja noch eigentlich kommen.


Adrian Orange also heißt der Typ der den Headliner mimen soll, jetzt weiß ich es endlich. Dessen angebliche Band besteht eigentlich nur aus einem Laptop und einer Frau die lederne Cowboy-Chaps trägt. Beide sind ein wenig seltsam drauf und der Eindruck verstärkt sich als alle Lichter im Klub ausgehen und ein Stroboskop angeschmissen wird. Dann fängt die Show an: Beats und teilweise esoterisch anmutende Klänge aus den Boxen, ein wenig Gitarrengeplänkel, Mundharmonika und schamanenartige Gesänge. WTF? Die Frau mit dem „Lazy-K“-Tattoo (ja auch hier war der Hautkünstler der ihren flächenmäßig größten Organ verschönern sollte ein wenig dilettantisch und Lo-Fi drauf) performt auf der Bühne einen selbst reinigenden Ritual und Mr. Orange taumelt Kapuzen bedeckt in der Ecke wie ein Geist von Kurt Cobain.


Und stündlich grüßt das Grunge-Music-Tier. Die Bestätigung kommt sofort als „Something In The Way“ angestimmt und derart schlecht und kaputt vorgetragen wird dass es einem spätestens jetzt klar sein muss dass die „Band“ richtig „far-out there“ ist. Dass sie sich bei der Darbietung des „Nevermind“-Klassikers nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben ist der Band auch klar. Also wird das Stück noch mal und noch schlechter und schiefer gespielt. Ab hier muss wohl das Wort Konzept fallen. Was danach kommt aber sind wieder seltsame Beats und Gekreische, Wortfetzen aus Fatboy Slim's „Praise You“, Techno und schließlich die Frage ob denn jemand im Publikum Rapmusik möge.


When the music's over turn ON the lights, hätte ich in diesem Fall vorschlagen. Die Protagonisten schlendern aber leise von der dunklen immer noch in Stroboskoplicht getauchten Bühne und lassen irgendwelche laute Hip-Hop Mucke laufen. Der Typ im Holzfällerhemd hinter mir steht fast regungslos da und starrt in die Leere. Draußen sagt einer dass die „Konzept“-Band gar keinen Konzept hat und eigentlich nur einfach Kacke ist.

Meine rechte Gehirnhälfte ist nach einer Stunde Stroboskoplicht betäubt und funktionsunfähig. Zum zweiten Mal an diesem Abend bin ich verwirrt. Was war das denn für ein Drogentrip zweier Verrückter auf der Bühne? Ein wenig Hardcore in den Kopfhörern sollte ein Quantum Klarheit in die Gedanken bringen. Tut es aber nicht. Also bis zum nächsten mal in der Stube, aber bitte gibt den Musikern auf der Bühne nur Bier oder Cola; mit der ersten Band hat es ja hervorragend geklappt.

Was die zweite angeht steht meine Meinung noch aus, außer they were all on drugs!

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Dienstag, 7. Oktober 2008

05.10.2008 trip fontaine @ astra stube, hamburg


THINGS GOTTA GET BETTER THINGS GOTTA GO ON

Also die Voraussetzungen sind denkbar schlecht: ein langes Wochenende voller Parties und Konzerte neigt sich dem Ende zu, das Hamburger Wetter bemüht sich mit aller Macht allen zu zeigen dass es nur mit zwei Worten = nass und kalt = assoziiert werden kann und dennoch ist man dabei. Warum fragt man sich und alle nach viel Überzeugungsarbeit mitgebrachten Freunde gleich mit. Na weil man eine der geilsten jungen deutschen Bands überhaupt live in der gemütlichen One-Room-Apartment Atmosphäre der Astra Stube sehen kann!

Die Erwartungen bei all den gefühlten Opfern die man gebracht hat, sind schon groß und auch wenn die Band noch ungerechterweise relativ klein ist, muss sie eben mithalten und diese womöglich übertreffen. Von vorne rein eigentlich eine mission impossible, aber sei’s drum.


Um die leisesten Zweifler im Publikum gleich aus der Bude zu pusten wird ordentlich losgelegt und gebrettert was das Zeug hält und das gleich mit drei Gitarren. Straight in your face also, und so bleibt es bei fast allen Songs, denn poppige und melodische Stücke bleiben heute Abend draußen; konsequent und obwohl einige der Bandmitglieder verschnupft und erkältet sind.

Spaß macht es trotzdem, weil die Qualität mit der die Jungs aus „Tra-la-la“ (O-Ton bei der Vorstellung der Band, oder habe ich mich da verhört und Rodgau falsch verstanden?) ihren post-irgendwas-indie-etwas-core präsentieren sucht hierzulande ihresgleichen. Dabei muss es ja nicht immer gesungen oder kompliziert rumgefrickelt werden (sorry Exits To Freeways, da könnt ihr noch was lernen, vor allem dass die Songs nicht nur aus tausenden von Breaks und zwanzig verschiedenen Musikrichtungsansätzen bestehen müssen). Und immer die gleichen Instrumente in der gleichen Besetzung zu spielen ist auch langweilig, also spielen wir ein wenig die Reise nach Jerusalem und tauschen untereinander die Instrumente.


Immer auf der Minibühne zu stehen und At The Drive-In zu mimen ist auch Kacke, wir sind ja hier nicht bei der Mini-Playback-Show, also trommeln wir ein wenig vor der Bühne auf dem Boden, spielen Seite an Seite mit den Zuschauern in der ersten Reihe und vor allem zeigen hier allen dass wir komplexe und eigenständige aber gleichwohl eingängige Mucke machen.

Indeed, f*ckers! Aber warum bloß so f*cking kurz?


Keine Zweifel am Einsatz und Schweißproduktion auf der Bühne aber dennoch erinnerte der kurze Gig an eine Support Show für jemanden „Großen“ der danach kommen würde und für den die Zuschauer so um die 30 Moneten pro Nase gezahlt hätten. Denn genau bei solchen Gigs hat man nicht unbedingt alle Zeit der Welt um zu zeigen was man musikalisch so drauf hat und muss das Publikum in kürzester Zeit überzeugen, so dass diese wenigstens CD’s oder Merchandising-Artikel kaufen und zu weiteren Konzerten der eigenen Band kommen.

Und das werden wir auch, aber dann bitte richtig und mit „Selling The Summer“ (ja, ja mein geheimer Emo-Wunsch, aber wenn die Leute in MCR Hoodies zu Trip Fontaine Konzerten kommen dann darf ich so was auch) und „Moon Balloon“ (warum auch nicht, zeigt ja nur die Vielseitigkeit) so dass man nach dem Konzert auch richtig sagen kann „I feel great, I never felt better!“

Aber für den Moment ist „das Ende vom Zelt“ erreicht, Fortsetzung muss folgen.

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Mittwoch, 24. September 2008

23.09.2008 kaki king @ prinzenbar, hamburg


NOT JUST A GIRL AND HER GUITAR

Manchmal kommt Gutes von ungefähr. Praktisch und plötzlich aus dem Nichts: eine kleine Plattenkritik im Lieblingsmagazin für Musik, ein Querhinweis auf den Lieblingssänger und man horcht sofort auf und ist neugierig. So war es auch bei Kaki: kaum die Sängerin und Ihre geniale letzte Platte entdeckt da steht sie praktisch vor der Tür und spielt in einem der schönsten Kleinclubs in Hamburg.

Die anfängliche leichte Verwunderung dass es nur ein Paar Instrumente, kein richtiges Schlagzeug, geschweige denn komplette Band gibt weicht der Begeisterung vor dem was die kleine Frau King mit all den vorhandenen Instrumenten und Effekten anstellen kann. In den Händen der smarten Amerikanerin mutiert eine Ovation Gitarre zu einem Percussions-Instrument, einem Slap Bass oder einem Effektegerät. Und dann kommt Sie mit Sounds und Geräuschen um die Ecke die man vorher nie in so einem Kontext gehört oder erwartet hat. Zur Unterstützung holt sie sich noch ihren Kumpel Dan Brantigan auf die Bühne der mit dem Flügelhorn und Electric Valve Instrument (dieses Teil muss man erst mal sehen = siehe Konzertfotos und hören = höre „Dreaming of Revenge“, um überhaupt zu verstehen was für Sounds es erzeugen kann) für nötige Stimmung und Ablenkung von Kaki’s Gitarrensoli sorgt.


Die Virtuosität mit der Kaki ihr Instrument beherrscht ist bewundernswert und dennoch will die vom Rolling Stone Magazine zur Guitar God(dess) gekürte Instrumentalistin für mehr als nur für ein Mädchen mit der tollen Gitarrentechnik gehalten werden. Kaki kreiert Ihren eigenen einzigartigen Sound und will dafür im Gedächtnis der Zuhörer bleiben. Und es geht eben nicht nur um ein meisterhaftes Fret-tapping, sondern auch um Emotionen, Stimmungen, Melancholie und um das große Unbekannte in ihrer Musik. Darauf muss man sich erst einlassen können, die nötige Geduld und Offenheit gegenüber der Improvisation und Instrumentaler Musik mitbringen, ohne jedoch ein Musikfreak oder Kritiker zu sein.


Die Improvisation mit den Tonabnehmern, Samples, Loops, ein wenig Gitarre und Flügelhorn beeindruckt und bleibt im Gedächtnis genauso wie die schüchtern-sympathischen Kommentare von Kaki im Bezug auf Hamburg, Astra Bier, heutige Konzert-Location oder die europäischen Nationen die auf den Fußballfeldern Weltkriege austragen. Nach all den tollen Gitarrenmelodien und Soli wünscht man sich gleichwohl dass Kaki mehr singen sollte und Songs von der Klasse von "Pull Me Out Alive" hätten dem Konzert eine zusätzliche Portion Wärme und Lebendigkeit gegeben.



Aber mit der aktuellen Platte hat Kaki ja ohnehin den Weg des Singers und nicht nur des Songwriters/Instrumentalisten erst richtig betreten, also kann man sich auf die zukünftigen Konzerte mit mehr Gesang oder sogar einer echten Band freuen. Ich bin dann jedenfalls wieder begeistert und nicht von ungefähr dabei wie hoffentlich viele aus dem heutigen Publikum auch. Verdient hätte es Kaki mit ihrer Musik allemal.


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Sonntag, 13. Juli 2008

08.07.2008 murder by death @ molotow, hamburg

TEQUILA WAS FOR SUPPER

Dass eines der besten Musikclubs Deutschlands zum Ende des Jahres seine Pforten schließen muss, weiß man leider nicht erst seit gestern, also nichts wie hin, solange es noch geht. Und bloß nicht nostalgisch werden, nur weil man hier in Molotow Bands wie Mclusky, The Thermals, JR Ewing, 65daysofstatic, Bondage Fairies, Mono, The Gossip, Sons and Daughters oder Melt-Banana gesehen hat. Murder By Death reihen sich auch in diese Liste ein und spielen hier heute zum zweiten Mal innerhalb von letzten fünfzehn Monaten, damals wie heute mit einer neuen Platte im Gepäck.

Und wie es wohl aussieht werden sie dann bei ihrem nächsten Besuch in Hamburg sich nach einer anderen Auftrittslocation umschauen, also noch ein Tequila auf den Club wo man so viele hervorragende Bands gesehen hat und rein in den Konzertraum. Um nur festzustellen, dass man doch lieber beim Alkoholkonsum an der Bar bleiben sollte, denn bei allem Respekt zu den Vorbands, das was da auf der Bühne steht ist eine optische und akustische Beleidigung des Publikums und des Hauptakts. Guilty Guitars sind schuldig im Sinne der bereits erwähnten Anklage und auch noch ohne jegliche Charisma und definitiv „ohne Eier“ (O-Ton Christian). So schlimm mir auch diese Band erscheint, so lange spielt sie auch noch, kann dennoch die Vorfreude auf Adam „The Huge Sideburns“ Turla und seine Mörderbande nicht trüben.

Als Murder By Death ihr Set mit dem Lied “Ball & Chain” eröffnen versteht man, dass sie durchaus Eier haben, diese aber nicht plakativ zur Schau stellen oder durch Manowar-Breitbeinigkeit untermauern werden. Die guten Songs über die ewigen Themen wie Rache, Sühne, Betrug und Mord sprechen einfach für sich und die Stimme von Adam klingt auch bei diesem teilweise matschigen Sound einfach überragend. Im Laufe des Konzerts werden fast alle Songwünsche erfüllt, denn die Band legt zwar den Hauptfokus auf die neue Platte “Red Of Tooth And Claw”, vergisst aber auch nicht die alten Hits wie “Devil In Mexico” oder “Brother” zum Besten zu geben. Die Cellospielerin Sarah ist wie immer ein Blickfang für das männliche Teil des Publikums, der Bassist macht auf der Bühne eine gute Figur auch wenn sein Instrument bei einem der Songs versagt und bei dem Sänger frage ich mich sowieso die ganze Zeit ob der den Hals jeden Abend mit Jack Daniels ausgurgelt und seinen riesigen Koteletten mit Naturkräutern zum übermäßigen Wachstum verhilft.

In der ersten Reihe stehend und mit der Tracklist vor Augen summe ich “oh carry, their little bodies to the cemetery, so gently!” vor mich hin, komme aber, wie es manchmal so ist, nicht auf den Namen des Songs. Als die Band dann zum Schluss “Comin’ Home” anstimmt (den perfekten Rausschmeißer eigentlich, wenn man mich fragt) ist mein Songwunsch immer noch nicht erfüllt. Für die Zugabe sind sie dann wieder da, ich aber natürlich nicht besoffen genug um auf die Bühne zu klettern und denen vorzusingen was ich unbedingt hören will, also fehlt mir spontan nur “Boy Decide” ein, was prompt auf meinen Wunsch gespielt wird.

Noch ein Song und eine akustische Zugabe von “Shiola” und man bestellt sich ein Astra um den Flüssigkeitsverlust, der während des Konzerts entstanden ist, zu kompensieren. Dann geht man zum Merchandisingstand um mit der Band ein Paar Worte zu wechseln. “Ja, war toll!“. --- “Ja, kommt noch mal nach Hamburg zurück, auch ohne neue Platte”. --- “Ja, cooler Club, wat?”. Und hier Stopp. Weiter muss man die Jungs ja auch nicht mit den aktuellen Problemen unserer Kulturlandschaft beschäftigen.

Aber war’s das mit den Konzerten im gemütlichen Molotow-Keller? Tja, anscheinend. Das Klub-T-Shirt habe ich mir trotzdem nicht gekauft, schließlich steht da noch nicht endgültig “Molotow R.I.P.” drauf und bis dahin kann man sogar davon träumen hier noch mal “Mord durch den Tod” zu sehen.

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Dienstag, 8. Juli 2008

30.06.2008 converge @ orlandina, sankt petersburg


TO SEE AND TO BE SEEN

Nicht erst seit gestern weiß man, dass in Russland viel Wert auf das Äußere gelegt wird: auf die Statussymbole des modernen Kapitalismus, auf die protzigen Schmuckstücke und neuesten technischen Gadgets. Diese werden gerne zur Schau gestellt um der Öffentlichkeit den Eindruck eigener Coolness und Lässigkeit zu vermitteln. Und diese, sagen wir mal „Mentalitätssache“, gilt heutzutage fast für jeden Russen der es zu etwas gebracht hat und merkwürdigerweise auch für die Hardcore-Szene der Stadt, nur hier hat man eben ein wenig andere Statussymbole. Kaum aus der U-Bahn und auf dem Weg zum Klub sieht man sofort das fein rausgeputzte Publikum mit 50 Zentimeter hohen grünen Iros, frischen bunten Tattoos, neusten Band T-Shirts und obligatorischen Ohrtunneln. Normalos sind eher die Ausnahme und die Emo-Kids mit engen Jeans und Seitenscheiteln, die durchaus das Stadtbild von St. Petersburg prägen, fehlen zum Glück. Die Musik die heute gespielt wird ist ja auch zu heftig für die zarten emotionalen Geschöpfe und außerdem könnte auf dem Konzert die Frisur ruiniert werden, ferner besteht durchaus die Möglichkeit zufällig im Mosh oder außerhalb eins auf die Fresse zu bekommen. Auch nicht schön. Auch aus meiner Sicht.

Der lokale Support-Act schlägt gleich in die gleiche Kerbe wie die vorher erwähnte „Mentalitätssache“, sprich mehr Schein als Sein: die Bühnenbewegungen von Dillinger Escape Plan und anderen Mathcore Bands penibel einstudiert, 25 Minuten Bla-bla-bla-Mucke runtergebrettert. Der Name Maria: Abort Chosen muss wahrscheinlich den Eindruck vermitteln, dass die Band ganz schön Metal ist, unangepasst und gegen organisierte christliche Religion und so. Im Gedächtnis bleibt aber nur was von der Optik der Band hängen (natürlich viele Tattoos und cooles Washington Huskies T-Shirt des Frontmans), die Musik geht einem am A. vorbei, da sie die Qualität der Vorbilder bei weitem nicht erreicht.


Danach kommt aber eine der besten und prägnantesten Bands aus dem hard-math-metal-was-auch-immer-core auf die Bühne und trotz richtig nervig leuchtender Reklameplakate an den Wänden und nicht ganz voll gefüllter Location ist die Begeisterung im Publikum durchaus zu spüren. Converge spielen zum ersten Mal in St. Petersburg, es ist überhaupt ihr erster Gig in Russland (Moskau kommt erst zwei Tage später) und für einige der anwesenden bedeutet diese Band die Welt. In der Mitte entsteht sofort ein Moshpit wo die Kids ihre neuesten Kung-Fu und Karate Moves präsentieren, immer in der Hoffnung jemanden „zufällig“ zu treffen. Blaue Flecken sind vorprogrammiert und von Unity und aufeinander aufpassen ist nichts zu sehen. Bei einem sehr aktiv mit den Händen und Füssen rumfuchtelnden Kollegen mit der Trainingshose und ärmellosen T-Shirt frage ich mich ob er überhaupt jemals einen Song von Converge gehört hat. Die die direkt vorne stehen fressen aber der Band aus der Hand und können sogar Jacob beim schreien würdig vertreten. Einer stürmt auf die Bühne und übernimmt den Part des Sängers bei „Concubine“, gar nicht so schlecht sogar, die Band schmunzelt und lässt ihn gewähren. Nur von der Bühne mit den Füssen nach vorne direkt ins Publikum zu springen ist nicht gerade die feine Art, dann gibt es vielleicht sogar Tote, aber meistens gibt es Verletzte.


Viel mehr Spaß macht es der Band zuzusehen die eine wirklich ordentliche Performance bei diesem eher mittelmäßigen Sound abliefert, wobei sich Jacob beim Singen wirklich anstrengen muss und am Ende locker zwei Liter Schweiß verloren hat. Als Zugabe auf Nachfrage der Die-Hard-Fans vor der Bühne wird „Fault and Fracture“ gespielt obwohl ich und die andere Hälfte des Saals lautstark „Jane Doe“ fordern. Aber sei es drum, die Jungs geben noch mal alles und hinterlassen einige mit der Erkenntnis zurück das beste Konzert Ihres Lebens gesehen zu haben wie die vielen nach dem Konzert geschriebenen Forenbeiträge im Internet beweisen.


Ganz soweit muss man natürlich nicht gehen, aber es war durchaus solide was die Band da abgeliefert hat und dass Jacob noch lange vor der Bühne bleibt und sich von den Fans fotografieren und anfassen lässt macht Converge trotz des „Harten-Jungs“ Image noch sympathischer. Das Publikum hat natürlich auch was gesehen und sich vor der dem Klub, im Moshpit und sogar auf der Bühne präsentiert, auch wenn nicht immer von der besten Seite (Idioten gibt’s ja schließlich überall). Wettgemacht haben die Konzertbesucher dies aber damit dass sie am Ende der Show minutenlang „Thank You“ skandiert haben. Und da haben die Russen gezeigt dass Sie durchaus eine gute Erziehung haben und sich für was Sehenswertes herzlich bedanken können.

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